Landesliga Hammonia: Wird TBS Pinneberg doch noch zum 3:0-Sieger erklärt?

Werden zwei der fünf Einwechslungen, die der Rantzauer Liga-Trainer Marcus Fürstenberg am Sonntag tätigte, vom Hamburger Fußball-Verband als regelkonform oder regelwidrig gewertet?
(Foto-Credit: Johannes Speckner)

Sorgt die Terminierung eines Kreisliga- und eines Landesliga-Spiels beziehungsweise deren zeitliche Überlappung um rund 20 Minuten am Ende für die Entscheidung im Titel- und Aufstiegsrennen in der Landesliga Hammonia? Das ist durchaus möglich, denn wie SportNord aus sicherer Quelle erfuhr, wollen die Verantwortlichen von TBS Pinneberg die schnelle Abweisung ihres Protestes gegen das 1:1-Unentschieden beim SSV Rantzau nicht hinnehmen, sondern beim Hamburger Fußball-Verband Berufung einlegen. Sie sind weiterhin der Meinung, dass Alexander Hollm und Justin Bovenzi nicht hätten eingewechselt werden dürfen, weil sie zuvor beziehungsweise eben auch zeitgleich bereits für die Rantzauer Reserve in der Kreisliga 1 zum 7:1-Kantersieg gegen den Moorreger SV beigetragen hatten.

Zwar heißt es in der HFV-Spielordnung unter Paragraph 17, „Festspielen“: „(1) Nehmen mehrere Mannschaften eines Vereins am Spielbetrieb teil, sind diese gemäß § 16 (7) SpO fortlaufend zu nummerieren. Ein Festspielen kann nur in einer höheren Mannschaft erfolgen. Dabei ist die erste Mannschaft eines jeden Vereins die höchste Mannschaft. (2) Spieler*innen von niedrigeren Mannschaften können jederzeit in höheren Mannschaften eingesetzt werden.“ Insofern ist den Rantzauern kein Fehlverhalten vorzuwerfen. Aber in den HFV-Durchführungsbestimmungen steht ergänzend unter Punkt 3.5 zur Festspielregelung wörtlich: „Ein*e Spieler*in darf bei zeitgleich stattfindenden Spielen nur in einer Mannschaft spielen.“

Fakt ist: An der Barmstedter Düsterlohe pfiff Schiedsrichter Alexander Teuscher (SC Eilbek) das Landesliga-Duell zwischen der Rantzauer Liga-Mannschaft und TBS am Sonntag so, wie im DFB-Net eingetragen, um 14 Uhr auf dem Rasenplatz an. Und Referee Claus-Dieter Köhler (SV Rugenbergen) beendete die Kreisliga-Partie der SSV-Reserve gegen Moorrege, die auf dem daneben liegenden Kunstrasenplatz ordnungsgemäß um 12.30 Uhr begonnen hatte, gegen 14.20 Uhr und somit exakt 20 Minuten nach dem Beginn der anderen Begegnung. Darauf bezieht die TBS-Führung ihren Protest und bei dessen zügig erfolgter Zurückweisung ging der HFV auf diesen Punkt nicht ein.

Allerdings wechselte SSV-Liga-Coach Marcus Fürstenberg seinen „Joker“ Hollm, der zuvor nur in der ersten Halbzeit (also von 12.30 bis etwa 13.15 Uhr) für die Reserve gekickt hatte, erst zur zweiten Halbzeit des Landesliga-Duells ein – sprich um 15 Uhr, als der Abpfiff des Kreisliga-Duells bereits rund 40 Minuten zurücklag. Und Bovenzi, den SSV-Reserve-Trainer Jan-Hendrik Bruns ebenfalls zur Pause ausgewechselt hatte, betrat gegen TBS sogar erst in der ersten Nachspielzeit-Minute (also gegen 15.45 Uhr und somit rund 85 Minuten nach Beendigung des Kreisliga-Spiels) das Feld. Insofern bleibt abzuwarten, wie der Verband sein eigenes Regelwerk interpretiert – und ob die Seite, die bei der Berufungsverhandlung den Kürzeren zieht, möglicherweise sogar noch eine Instanz weiter geht und vor ein ordentliches Gericht zieht, weil sie sich im Recht wähnt.

Sollte es tatsächlich eine Umwertung geben, die rechtskräftig wird und Bestand hat, wäre dies für die Rantzauer doppelt bitter, weil ihre nächsten und zugleich letzten beiden Sonntags-Heimspiele dieser Saison erst um 15 Uhr beginnen. Wäre auch das Duell mit TBS erst um 15 Uhr angepfiffen worden, hätten die Pinneberger keine Rechtsgrundlage für einen Protest gehabt. Und sollte das TBS-Team, das in der vergangenen Woche für den schuldhaft verursachten Spielabbruch beim FC Union Tornesch vom HFV-Sportgericht mit einem Drei-Punkte-Abzug bestraft worden war, nachträglich zum 3:0-Sieger erklärt werden, würde es mit diesen zwei zusätzlichen Zählern im aktuellen Klassement nicht nur mit dem derzeitigen Spitzenreiter FK Nikola Tesla gleichziehen, sondern ihn dank seiner um dann fünf Treffer besseren Tordifferenz sogar überflügeln.

(Johannes Speckner)

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