Oberliga: Altona 93 nur 1:1 gegen FC Alsterbrüder

Der Altonaer Kapitän Bilael-Pascal El-Nemr (rechts), der nach dem Abpfiff die Gelb-Rote Karte sah, im Luftkampf mit FCA-Akteur Jasper Brinkmann.
(Foto-Credit: Johannes Speckner)

In der 80. Minute war das, was Schiedsrichter-Assistentin Jacqueline Herrmann (TuS Osdorf) via Funk vermeldete („Ich habe Hunger.“), noch belanglos. Umso entscheidender war das, was die 33-Jährige zehn Zeigerumdrehungen später kundtat. Sie stimmte Referee Johannes Mayer-Lindenberg (Harburger TB) nämlich um, nachdem dieser ein Handspiel von Daniel Göbel, dem Torwart des FC Alsterbrüder, außerhalb seines Strafraums gesehen haben wollte – und vielleicht neben dem Freistoß für Altona 93 auch noch „Rot“ gezückt hätte. Das jedenfalls forderte die Bank der Altonaer vehement und war umso entsetzter, als Mayer-Lindenberg seine ursprüngliche Entscheidung revidierte und die Partie stattdessen mit einem Freistoß für die Gäste fortsetzen ließ.

93-Coach Andreas Bergmann, Co-Trainer Andree Trulsen und mehrere Spieler beschwerten sich lautstark, woraufhin erst Herrmann in die Altonaer Coaching-Zone lief und dann auch Meyer-Lindenberg hinzueilte. Nachdem er Bergmann die Gelbe Karte gezeigt hatte, diskutierte der Unparteiische noch eine gefühlte Ewigkeit mit den Altonaern. Alleine schon deshalb war die vierminütige Nachspielzeit wirklich sehr knapp bemessen und der Ärger von 93-Kapitän Bilael-Pascal El-Nemr verständlich. Für seine Beschwerden nach dem Abpfiff bekam der Offensivmann allerdings die Gelb-Rote Karte. Und bei aller Wut über das Schiedsrichter-Gespann, dem die Partie in der Schlussphase tatsächlich aus den Händen glitt, müssen sich die Altonaer vor allem über sich selbst und ihre schwache Leistung ärgern, nachdem sie gegen den Tabellenvorletzten über ein 1:1-Unentschieden nicht hinauskamen.

Dass die Hausherren kurz vor der Pause überhaupt in Führung gingen, war glücklich. Denn in der ersten Halbzeit hatten die Gäste nicht nur mehr vom Spiel, sondern auch einige gute Torchancen gehabt. Dann aber sorgte ein langer Einwurf des Altonaers Moritz Grosche für Verwirrung im FCA-Strafraum: Möglicherweise lenkte sein Mitspieler Lesley Karschau den Ball noch ab – Mayer-Lindenberg sah ein Eigentor von Göbel und schenkte dessen Beschwerden, er sei unfair attackiert worden, kein Gehör. Dieses 1:0 aus der 45. Minute war allerdings kein Befreiungsschlag für die Heim-Elf, die lediglich einmal am 2:0 schnupperte: Eine Rechtsflanke hechtete Rasmus Tobinski hauchdünn am langen Pfosten vorbei (71.). Vor dieser sehenswerten Szene und vor allem danach spielten die 93-Akteure wiederholt auf Zeit: Sie wollten den knappen Vorsprung gegen den Abstiegskandidaten irgendwie ins Ziel retten.

Dies wäre vor den Augen von 1.003 Zuschauern auch beinahe gelungen. Dann bewies FCA-Coach Benjamin Voß, der seinen Schützlingen vor dem Anpfiff mit auf den Weg gegeben hatte, dass sie „die Atmosphäre aufsaugen und genießen“ sollen, aber ein gutes Händchen, indem er in der 81. Minute Tim Algner einwechselte. Denn nicht einmal 60 Sekunden später kam ein von Jakob Kollotzek eroberter Ball über den Ex-Altonaer Chris Pfeifer sowie Konrad Janta auf die rechte Seite zu Algner, dessen Hereingabe Merdan Kaya von halbrechts aus 15 Metern mit einer traumhaften Direktabnahme in den linken Winkel jagte – 1:1. Deniz Hasan Yilmaz hätte den Favoriten kurz darauf wieder in Front schießen können, doch nach einem Eckstoß wurde sein halbhoher Versuch von FCA-Akteur Philipp Dechow abgeblockt (85.). So verrückt es klingt, aber für die Alsterbrüder war das Unentschieden nicht nur aufgrund ihrer Leistung, sondern auch wegen der Tabellensituation zu wenig – denn mit einem Sieg wären sie bis auf sechs Punkte an das rettende Ufer und den Rang-15. FC Türkiye herangerückt.

Bergmann sagte nach dem Abpfiff im obligatorischen Team-Kreis: „Wir müssen wieder mehr Überzeugung in unsere Aktionen bekommen.“ Zudem gab der frühere Bundesliga-Trainer zu: „Ja, wir haben eine schwierige Phase – aber die habe ich lieber jetzt als in den letzten, entscheidenden Wochen der Saison.“ Der Vorsprung auf den Tabellen-Zweiten TuS Dassendorf, der noch eine Partie mehr zu absolvieren hat und am Sonnabend, 12. April, auf der Adolf-Jäger-Kampfbahn gastiert, beträgt nun vier Punkte. Um die Meisterschaft müssen die Altonaer deshalb zittern, aber wohl nicht um die Teilnahme an der Aufstiegsrunde zur Regionalliga – denn der Eimsbütteler TV, der ebenfalls Viertliga-Ambitionen hegt, weist als Rang-Vierter aktuell 18 (!) Zähler weniger auf. Insofern wird das 1:1 – mit diesem Resultat mussten sich die Altonaer übrigens auch in der Vorsaison am 26. August 2023 gegen den damaligen Vorletzten FC Union Tornesch begnügen – hoffentlich keinem Altonaer den Appetit verdorben haben.

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(Johannes Speckner)

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