
Zeitgleich zu den sportlichen Duellen beim „22. Wanderpokal der Raiffeisenbank Elbmarsch“, der in dieser Woche im Hetlinger Deichstadion ausgetragen wird, greifen mit dem TSV Holm und dem Moorreger SV zwei der teilnehmenden Vereine die Verantwortlichen des gastgebenden Hetlinger MTV scharf an. Zusammen mit dem SC Cosmos Wedel werfen die Offiziellen von Holm und Moorrege den Hetlingern in einer gemeinsamen Stellungnahme die Abwerbung von Spielern vor. HMTV-Fußball-Abteilungsleiter Michael Kirmse fand in seiner Gegendarstellung ebenfalls klare Worte ...
Die Mitteilung, die von Offiziellen des SC Cosmos Wedel, TSV Holm und Moorreger SV unterzeichnet wurde:
„Die Verantwortlichen der Fußballabteilungen der Vereine TSV Holm, Moorreger SV und Cosmos Wedel sind stinksauer. Bei allen Vereinen wurden Spieler durch den Hetlinger MTV abgeworben – und das auf unfaire Art und Weise. Martina Bohl (ehemals Fußballabteilungsleiterin des MSV), Jon Lüers (1. Vorsitzender Holm) und Detlef Meyer (Fußballabteilungsleiter und Jugendleiter SC Cosmos) wollen sich dieses Verhalten nicht länger gefallen lassen und fordern die Verantwortlichen der Fußballabteilung des HMTV auf, die Regeln des Fairplay zu beachten. „Nicht nur auf dem Platz, sondern auch für den Umgang der Vereine untereinander müssen Regeln des Fairplay gelten.“
Beim TSV Holm wurden einige Spieler der 2. Herren vor dem Ende der Saison 2015/ 2016 angesprochen und zu einem Wechsel zum HMTV überredet, ohne dass der Verein oder der Trainer der Mannschaft darüber informiert wurde. In der letzten Saison hatte der HMTV eine spielstarke A-Jugend, deren Spieler nun fast alle in den Herren-Bereich gehen mussten. Damit auch 2016/2017 eine A-Jugend-Mannschaft für Hetlingen auflaufen kann, wurde der ehemalige Trainer der A-Jugend von Cosmos verpflichtet – mit dem Auftrag, möglichst viele Spieler seiner alten Mannschaft abzuwerben und zum Wechsel zum HMTV zu überreden. Bereits in der vergangenen Saison wurden diverse A-Jugend-Spieler mehrfach kontaktiert und zum Probetraining eingeladen – auch hier ohne ihren Stammverein Cosmos Wedel darüber zu informieren.
Meyer dazu: „Richtig sauer wurden wir erst, als der HMTV im März ein offizielles Testspiel absolvierte und dabei sieben Spieler der Cosmos-A-Jugend eingesetzt hat, ohne dass diese eine Spielberechtigung für Hetlingen hatten. Dieses Verhalten des HMTV verstößt deutlich gegen Regelungen des Hamburger Fußball-Verbandes und hat mit einem sportlich fairen Umgang von Fußballvereinen nichts zu tun.“
Nicht nur bei Cosmos und Holm hat Hetlingen „gewildert“. Bei Moorrege wurden ebenfalls in der noch laufenden Saison zwei B-Jugend-Spieler abgeworben. Um einer möglichen Sperre zum Saisonbeginn zu entgehen, wurde diesen Spielern durch die Verantwortlichen des HMTV empfohlen, die letzten Punktspiele in Moorrege nicht mehr mitzuspielen. Auch Martina Bohl, bis zum 29. Juni Leiterin der MSV-Fußballabteilung, ist richtig verärgert: „Es kann doch nicht sein, dass Hetlingen als kleiner Fußball-Verein seine fehlenden Jahrgänge dadurch ersetzt, dass bei anderen Vereinen in der unmittelbaren Nachbarschaft, die über viele Jahre hinweg durch gute Jugendarbeit Jugendmannschaften aufgebaut und erfolgreich ausgebildet haben, leistungsstarke Spieler auf unfaire Weise in der laufenden Saison abgeworben und dadurch Mannschaften bei anderen Vereinen kaputt gemacht werden.“
Die Vereine haben jetzt Konsequenzen angekündigt. Der Moorreger SV und SC Cosmos werden zukünftig Mannschaften des HMTV weder zu Freundschaftsspielen noch zu eigenen Turnieren einladen.
Der SC Cosmos, Moorreger SV und TSV Holm haben sich in Gesprächen auf eine gemeinsame Leitlinie zum „Fairplay geht vor – auch zwischen den Fußballvereinen“ verständigt. Diese Leitlinie soll unter anderem auch regeln, wie Trainer und Vereine sich bei einem Vereinswechsel von Spielern sportlich fair zu verhalten haben. Lüers fordert, dass „die Fußballvereine nicht nur von ihren Spielern auf dem Platz ein Fairplay einfordern können, sondern dies auch von allen Vereinsverantwortlichen neben dem Platz vorgelebt werden muss.“ Dies soll durch die Leitlinie zur Zusammenarbeit sichergestellt werden“.
Die Gegendarstellung von HMTV-Fußball-Abteilungsleiter Michael Kirmse:
„Weitestgehend unaufgeregt, aber auch mit etwas Verwunderung hat die Fußballabteilung des Hetlinger MTV die aktuelle Pressemeldung von drei Vereinen aus dem Kreis Pinneberg zur Kenntnis genommen.
Der HMTV weiß selbst aus der Vergangenheit, dass es für einen Verein im Fußball auch mal nicht so richtig laufen kann. Sicherlich schaut man dann mit etwas Neid auf andere Vereine, wo es besser läuft. Viele Jahre befand sich der traditionsreiche „kleine“ HMTV in dieser Situation. Doch er hat sich davon nicht unterkriegen lassen. Der Verein hat sich in dieser Situation gesagt: Wir können etwas ändern − wir können es schaffen. Einige Vereinsvertreter haben sich von da an vorgenommen, den Verein voranzubringen und zu sportlichen Erfolgen zu führen − und dieser Gedanke ist nicht verwerflich. Von da an hat sich etwas geändert und das Blatt gewendet. Jetzt befinden sich einmal andere Vereine in einer sportlichen und teilweise auch vereinsinternen Situation, die sicherlich nicht glücklich ist.
Aber es ist wie im Fußball selbst: Mal gewinnt man, mal verliert man − mal steht man oben, mal ganz unten. Jetzt auf eine solche Art und Weise auf uns einzudreschen und einen Schuldigen zu suchen, weil es in den eigenen Reihen sportlich und von den Rahmenbedingungen her nicht so läuft, beziehungsweise um von vereinsinternen Ursachen sowie Problemen abzulenken und auch noch in diesem Zusammenhang das Wort „Fairplay“ zu benutzen, halten wir für unangemessen und nicht fair.
Der HMTV sieht der vorgeschlagenen neuen „Leitlinie“ daher entspannt entgegen, denn er hat sich nichts Verwerfliches vorzuwerfen und freut sich in diesem Zusammenhang auf konstruktive Gespräche mit den anderen Vereinen aus der Region. Dennoch hätten wir uns gewünscht, wenn man bei den zahlreichen Begegnungen der letzten Zeit hierzu ein offenes Wort zwischen den Vereinen gefunden hätte. So hätte es die Möglichkeit gegeben, Dinge direkt anzusprechen und zu klären. Käme dieses nicht dem Fairplay-Gedanken näher? Jetzt aber den Weg über eine offizielle Pressemeldung zu gehen und dieses ungespiegelt in das Umfeld zu streuen, ist aus unserer Sicht nicht der richtige Weg. Dieses dann auch noch in das Licht des gemeinsamen Turniers zu stellen, das für alle Vereine von immenser Bedeutung ist, quasi das Aushängeschild ist und bei dem wir alle gemeinsam Spaß und Freude haben wollen, ist nicht gerade ein guter Stil. Aus unserer Sicht ist es schlicht ein Ablenkungsmanöver von vereinsinternen Problemen, etwas Neid und sicherlich auch etwas sportlicher Frust. Das ist schade!
Dennoch möchten wir zu einigen der genannten Punkte bereits klar Stellung beziehen:
Zu den Vorwürfen gegen unseren A-Jugend-Trainer können wir nur sagen, dass wir ihn als einen aufrechten und engagierten (jungen) Menschen kennengelernt haben, der mit beiden Füßen im Leben steht. Es ist eine abstruse Vorstellung, dass er angeblich einen „Auftrag“ erteilt bekommen haben soll, Spieler abzuwerben. Dieses weisen wir konsequent zurück. Spieler in diesen Altersklassen wechseln den Klub, um neue sportliche Herausforderungen zu suchen oder mit ihren Freunden gemeinsam zu spielen und Spaß zu haben. Und es sind eben auch nicht nur sportliche Aspekte, die dabei eine Rolle spielen. Auch ein funktionierendes und attraktives Umfeld in einem Verein sind Gründe dafür, warum sich Fußballspieler für einen beziehungsweise einen anderen Verein entscheiden.
Hier hat sich der HMTV in den letzten Jahren neu aufgestellt und sich somit für neue Spieler aus der gesamten Region bis nach Hamburg hinein attraktiv gemacht. Gerade zuletzt sind viele Spieler auf den HMTV zugekommen, um sich den Verein sowie das Umfeld anzuschauen, und haben sich dann für Hetlingen entschieden. Und man muss sich dabei immer vor Augen halten: Alle Spieler sind freiwillig und von sich aus, dass heißt aus eigenem Wunsch heraus, nach Hetlingen gekommen − es wurde keiner gezwungen, geschweige denn bezahlt.
Der Wahrheit entspricht es, dass wir Spieler vom SC Cosmos Wedel zu einem Testspiel eingeladen und dann auch eingesetzt haben. Das war nicht richtig und dafür habe ich, Michael Kirmse, mich bereits persönlich bei der 1. Vorsitzenden des SC Cosmos entschuldigt. In diesem Zusammenhang zu erwähnen ist aber auch, dass wir einem Hetlinger Spieler, der uns bereits im Januar die Zusage gegeben hatte, bei uns in der Saison 2016/2017 in den 2. Herren zu kicken, dennoch im Juni die Freigabe erteilt haben, damit er zum SC Cosmos wechseln und dort künftig bei den 1. Herren spielen kann. Bis heute haben sich die Cosmos-Verantwortlichen nicht bei uns gemeldet. Ist das ein Verhalten im Sinne des Fairplays?
Zu den Vorwürfen des Moorreger SV möchten wir anmerken, dass wir schon vor geraumer Zeit eine (sportliche) Kooperation vorgeschlagen haben, an der jedoch seitens des MSV nicht weiter gearbeitet wurde. Wir standen dem MSV auch hin und wieder beratend zur Seite, als es zum Beispiel darum ging, die Vermarktung zu verbessern. Auf Nachfrage der Moorreger Verantwortlichen haben wir hier gerne Hilfestellung gegeben und damit immer fair gespielt. Auf sportlicher Seite gab es auch einen Moorreger Spieler, der sich von sich aus nach einem anderen Verein umgesehen hat. Das ist legitim und bedarf keines Vorwurfs – vor allem nicht gegen den Spieler. Im Nachgang wurde dieser Spieler vom MSV für sechs Monate „gesperrt“. Sind das der Gedanke und das Verständnis von Fairplay?
Zu unserem direkten Nachbarn TSV Holm ist anzumerken, dass sich Spieler der 2. Herren innerhalb des Vereins aufgrund interner Probleme nicht mehr wohlgefühlt und sich schlussendlich für den HMTV entschieden haben. Perspektivisch wurde den Jungs, die einfach nur Fußball spielen wollten, dort keine gute Zukunft geboten. Das hat doch nichts mit Wildern zu tun? Ich selbst in meiner Zeit als Jugendtrainer habe zum Beispiel immer wieder Spieler der Jahrgänge 1997/1998 nach Holm geschickt. In der aktuellen A-Jugend kicken etliche davon noch heute. Ebenso haben wir auch hier in der Vergangenheit Kooperationen im Jugendbereich vorgeschlagen, um den Jugendfußball sowie die Kinder aus der Marsch und Geest in der Region zu halten und nicht an die großen Vereine in der Stadt zu verlieren.
Das war immer unser Verständnis von Fairplay – aber Holm hatte nie Interesse daran und dabei das „kleine“ Hetlingen manchmal sogar verhöhnt. Fairplay? Jetzt werden die Folgen in Holm sichtbar ...
Im Sinne des Fairplay-Gedankens ist es für uns unverständlich, insbesondere gegenüber unseren jungen Fußballern aus dem Jugendbereich − unseren Kleinsten −, dass sie nicht mehr zu Freundschaftsspielen oder Turnieren eingeladen werden sollen. Wie sollen wir ihnen dies erklären? Ist das Fairplay gegenüber den Kindern und den Jugendlichen?
Wir wollen alle als Verein für unsere Dörfer und Kinder bestehen bleiben. Wir wollen gemeinsam Spaß haben, aber auch die sportliche Herausforderung − gerade in den Derbys − suchen und annehmen. Für den Fußball in der Marsch!“