Bezirksliga 1: Torwart-Tor – Ritter rettet Blau-Weiß 96 das Remis

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Hier hechtet der Schenefelder Torwart Fynn Ritter (links) den Ball zum 3:3-Endstand in das Heidgrabener Gehäuse.
(Foto-Credit: Johannes Speckner)

Gewisse Parallelen sind unverkennbar. Wie am 19. Dezember 1997, als Jens Lehmann im Bundesliga-Spiel seines FC Schalke 04 bei Borussia Dortmund eine von rechts kommende Hereingabe zum 2:2 einköpfte, so war nun am Freitagabend auch Fynn Ritter – der übrigens bei Lehmanns Treffer noch ein Kleinkind war – erfolgreich. „Der Ball ist irgendwie von rechts gekommen und ich habe ihn dann reingeköpft.“ So schilderte der Torwart von Blau-Weiß 96 Schenefeld, wie er das Spielgerät am langen Pfosten zum 3:3-Endstand in das Gehäuse des Heidgrabener SV hechtete. Der Jubel bei den Blau-Weißen kannte keine Grenzen und 96-Fußball-Abteilungsleiter Andreas Wilken sprach von einem „Befreiungsschlag“.


Diesen hätten, bezogen auf die Tabelle, auch die noch immer sieglosen Heidgrabener nur zu gerne gelandet. Dementsprechend forsch und offensiv starteten sie im Stadion Achter de Weiden auch in die Partie. „Wir haben in der Anfangsphase viele gute Torchancen gehabt, es aber leider wieder einmal versäumt, uns selbst zu belohnen“, haderte HSV-Coach Ove Hinrichsen. Schon in der ersten Minute schnupperten die Gäste am Führungstor, doch Martin Schwabe verpasste einen Querpass von Philippe Schümann. Zehn Zeigerumdrehungen später zielte Philippe Schümann selbst am langen Eck vorbei, ehe Tobias Brandt zweimal scheiterte: Seinen ersten Lupfer hielt Ritter, der zweite ging über die Latte (14. Minute).


In der 24. Minute zappelte der Ball erstmals im Tor, als Ricardo Gomes einen schönen Gäste-Spielzug abschloss – doch Schiedsrichter Rene Hölker (TuRa Harksheide) erkannte den Treffer wegen einer Abseitsstellung nicht an. Kurz darauf ertönte erneut ein Abseitspfiff, was dieses Mal jedoch keine Heidgrabener Proteste nach sich zog, da Fabian Doell ohnehin am Pfosten vorbei geköpft hatte (26.). Aller schlechten Dinge waren aus Sicht der Gäste drei, als Brandt den Ball in das 96-Gehäuse lupfte, aber zuvor ebenfalls im Abseits gewesen sein soll (36.). Im direkten Gegenzug jubelten stattdessen die Hausherren, die durch Rene Müller in Führung gingen (38.). Um ein Haar wäre das 2:0 prompt gefolgt, doch die Schenefelder verzweifelten am Pfosten (42.).


„Auch in den zweiten Durchgang sind wir gut hineingekommen“, berichtete Hinrichsen. Philippe Schümann tauchte frei vor Ritter auf, zielte aber knapp am langen Pfosten vorbei (52.). Wiederum nur vier Zeigerumdrehungen später hieß es stattdessen 2:0, als der schnelle Silas Fabian für die Schenefelder erhöhte. „Daraufhin haben wir uns wohl zu sicher gefühlt“, befand Ritter, während die HSV-Verantwortlichen alles auf die Karte Offensive setzten: „Entsprechend offensiv haben wir auch gewechselt“, erklärte Hinrichsen, der die Partie nur als Zuschauer verfolgte, da er seine Rot-Sperre absitzen musste, da er dies im abgebrochenen Lotto-Pokal-Drittrunden-Spiel gegen den SSV Rantzau (Landesliga 1) nicht konnte.


Für ihren Mut wurden die Heidgrabener belohnt, denn sie kamen zum 1:2-Anschluss: Philippe Schümann schoss von halbrechts aus an 96-Akteur David Kunze vorbei flach in das lange Eck ein (69.). Nur zwei Zeigerumdrehungen später schnupperte Brandt bereits am Ausgleich, er zielte aber von halblinks aus knapp rechts vorbei. Kurz darauf stand es dann aber tatsächlich 2:2, als der eingewechselte HSV-Stürmer Tim Robin Brinke dem Schenefelder David Wilke enteilte und einen langen Pass im Fallen an Timo Bock vorbei versenkte (75.).


Nun sahen die Zuschauer eine packende Partie, in der das Pendel in beide Richtungen hin hätte ausschlagen können. Erst traf Müller, nachdem er schon an HSV-Keeper Shawn Klenz vorbeigezogen war, für die Schenefelder erneut den Pfosten (77.), im direkten Gegenzug verzog Philippe Schümann nach einer Linksflanke von Serge Haag am langen Pfosten (78.). In der 87. Minute machte der HSV-Torjäger es besser: Nachdem sich Brandt links behauptet und quergespielt hatte, zog Philippe Schümann am grätschenden Maik Wegner vorbei ab und scheiterte zunächst an Ritter, doch den Abpraller versenkte er gegen die auf der eigenen Torlinie stehenden Bock und Henry Wankel zum 2:3.


In der Nachspielzeit gab es dann eine umstrittene Situation: Der eingewechselte Schenefelder Ole Großmann grätschte kurz vor dem Mittelkreis von hinten kommend in Yannick Schwadtke hinein, der hochsprang und hinfiel. Daraufhin entschied Referee Hölker auf „Schwalbe“ von Schwadtke, weshalb er dem Heidgrabener die Gelbe Karte zeigte und den Blau-Weißen einen Freistoß zusprach. In dessen Folge flog eine Rechtsflanke in den HSV-Strafraum, wo Unglücksrabe Schwadtke den Ball, irritiert von Mitspieler Schwabe sowie zwischen den Schenefeldern Lamin Jadama und Weys Karimi hochspringend, mit seinem Kopf so verlängerte, dass ihn Ritter ins Netz hechtete.


Hinrichsen trat geknickt die Heimfahrt an und haderte: „Das ist für uns eine gefühlte Niederlage.“ Das Schlusswort gebührt Ritter, der erklärte: „Drei Punkte wären mir lieber gewesen – aber das haben wir uns in der zweiten Halbzeit selbst verbockt. Wir hätten besser verteidigen müssen, haben aber gegen die gefährlichen langen Pässe des Gegners kein Mittel gefunden. Nach dem ersten Gegentreffer waren wir überrascht und nach dem zweiten schockiert.“

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