
Es hätte alles so schön sein können: Der Tangstedter SV feierte am Sonntag im Rahmen des vierten Spieltages mit einem 4:2 gegen den FC Union Tornesch II endlich seinen ersten Saisonsieg und verließ damit in der Kreisliga 8 die Abstiegszone. Trotzdem wurde TSV-Trainer Nico Plocharska nach dem Abpfiff fast ausnahmslos auf eine Szene angesprochen, die sich in der 80. Minute zugetragen hatte: Der Tangstedter Stürmer Zeljko Bebek spielte nach einem Steilpass den herausstürzenden FCU-Keeper Tim Fröhlich aus, lief mit dem Ball am Fuß bis zur Torlinie, warf sich dann auf den Boden und köpfte den Ball liegend ins Tor.
„Das ist eine so armselige Geste“, nahm sich Union-Kapitän Heiko Rohwedder den TSV-Stürmer zur Brust, und die Quittung folgte prompt: Schiedsrichter Andreas Voß (vom VfL Pinneberg) erkannte den Treffer nicht an, sondern zeigte dem Stürmer wegen Unsportlichkeit die Gelbe Karte. Als „total überflüssig und hochgradig unsportlich“ tadelte Plocharska das Verhalten seines Spielers und stellte klar: „Bebek ist gerade erst aus Kroatien nach Deutschland gekommen und muss sich noch ein bisschen eingewöhnen. Ich habe mit ihm gesprochen und er wird so etwas unter mir mit Sicherheit nicht noch einmal machen.“ Zunächst schrieb Bebek sportlich positive Schlagzeilen. Denn nachdem die Gäste durch Jannik Siems (14.) sowie Sebastian Rose per Kopf (20.) zwei gute Chancen vergeben hatten, brachte Bebek die Hausherren nach einer Flanke in Führung (28.). Obwohl die Tornescher sich Fehlpässe leisteten und immer wieder ins Abseits liefen, wäre das schnelle 1:1 möglich gewesen − doch nach einer Flanke von Andre Jahn traf Siems nur den Pfosten und der Nachschuss von Christian Ahrens ging knapp am Ziel vorbei (34.). In der Nachspielzeit der ersten Halbzeit erhöhte Marco Rosenkranz nach einem guten Tangstedter Spielzug auf 2:0.
Kurz nach dem Seitenwechsel gelang Kubilay Özen nach einem Doppelpass mit Siems das 2:1 (47.). „Dies war für uns ein Hallo-Wach-Effekt“, so FCU-Coach Eugen Knoll, der sich sehr darüber ärgerte, dass Voß kurz darauf einen Treffer von Maximilian Willmer wegen einer angeblichen Abseitsstellung nicht anerkannte (53.). „Nach einem 2:2 wäre die Partie wohl anders verlaufen“, sinnierte Knoll. Im weiteren Verlauf der zweiten Halbzeit leisteten sich die Gäste aber „zwei gravierende Abwehrfehler“ (Knoll), die es den Tangstedtern ermöglichten, ihren Vorsprung auszubauen. Rohwedder schoss bei einem Befreiungsschlag Bebek an, von dem der Ball in hohem Bogen über Tim Fröhlich in die lange Ecke flog (57./3:1). Kurz darauf sah Junker die Rote Karte (63.) und Julian Schacht nutzte den nächsten FCU-Patzer zum vorentscheidenden 4:1 (65.). Nach Bebeks Unsportlichkeit war die Union-Reserve dann nicht dazu in der Lage, Bebeks spöttische Geste auch noch sportlich zu bestrafen: Statt 5:1 stand es in der 83. Minute zwar nur noch 4:2, als Rose einen Foulelfmeter, den er selbst herausgeholt hatte, glücklich verwandelte. Zu mehr reichte es, nachdem Rose bei einer weiteren guten Chance (85.) und Özen mit einen Freistoß (90.) jeweils zu hoch gezielt hatten, aber nicht.
Nach dem 2:4-Endstand sprach Knoll von einer „vermeidbaren, aber verdienten Niederlage“ und gab zu: „In der ersten Hälfte haben wir einfach schlecht gespielt.“ Plocharska äußerte, noch einmal Bezug nehmend auf den aberkannten Bebek-Treffer, „die Hoffnung, dass die Tordifferenz am Saisonende im Kampf um den Klassenerhalt nicht entscheidend sein wird“.