Oberliga: Rugenbergen gewinnt das Kreis-Duell


Fast elf Monate lang war der FC Union Tornesch im heimischen „Torneum Fußballpark“ ungeschlagen geblieben. Letztmals hatte am 25. November 2018, noch in der Landesliga Hammonia, mit dem SSV Rantzau ein Gast-Team mit 3:1 am Großen Moorweg gewonnen. Auch nach dem erstmaligen Aufstieg der Tornescher in die Oberliga Hamburg hielt die Heimserie mit vier Unentschieden und zwei Siegen zunächst, ehe am Sonntag im Kreis-Duell der SV Rugenbergen mit 2:1 die Oberhand behielt. „Absolut verdient“, so SVR-Coach Andelko Ivanko, dem die „vielen guten Umschaltaktionen“ seines Teams gefielen.

Die Tornescher Offiziellen hatten lange hin- und herüberlegt, ob das Spiel auf Rasen oder Kunstrasen stattfinden soll. „Am Ende haben wir uns für den Rasen entschieden, weil wir uns dort wohler fühlen und das einfach unser Heim-Platz ist“, so Union-Trainer Thorben Reibe, der aber nach dem Abpfiff zugab: „Nachträglich betrachtet war das falsch, denn uns fehlte die nötige Standfestigkeit.“ Als der 37-Jährige die Partie noch einmal Revue passieren ließ, fielen ihm „zehn Szenen“ ein, in denen einer seiner Spieler „wegrutschte“. Ebenfalls lange nachgedacht hatte Reibe über die Besetzung seiner Abwehr. Dass Tim Moritz dann von Beginn an spielte, obwohl er seine 17 Tage zuvor erlittene Knöchelverletzung möglicherweise noch nicht ganz auskuriert hatte, sei „quasi alternativlos gewesen“, so Reibe – es erwies sich aber auch als unglücklich.

In der neunten Minute versäumte es Moritz nämlich, einen harmlosen Pass von Hassan Zarei wegzuschlagen. Dadurch gelangte das Spielgerät zu Kilian Utcke, der per 20-Meter-Flachschuss die Gäste in Führung brachte. „Ich war überrascht, dass der Ball zu mir durchgekommen ist. Dann habe ich nur noch das Tor gesehen und auf dem nassen Boden einfach abgezogen“, schilderte Utcke nach dem Abpfiff seinen Treffer. Da jener Utcke kurz zuvor bereits freistehend knapp vorbei gezielt hatte (7. Minute) und Zarei bei einem aussichtsreichen Konter das Spielgerät versprang (13.), stellte Reibe fest: „Wir waren in der ersten Viertelstunde viel zu passiv und Rugenbergen ist verdient in Führung gegangen.“ Das erste offensive Lebenszeichen der Heim-Elf gab es, als Björn Dohrn an SVR-Keeper Patrick Hartmann scheiterte (20.). Dohrns Namensvetter Björn Schramm, der erneut als Vertreter von Norman Baese – kehrte erst einen Tag vor dem Spiel aus seinem Urlaub zurück – das Union-Tor hütete, rettete stark gegen Zarei (30.) und Patrick Hoppe (35.), weshalb die Seiten beim Stand von 0:1 gewechselt wurden.

Der in der Pause eingewechselte Tornescher Christian Kulicke fügte sich mit einer Flugeinlage im Gäste-Strafraum ein, die Schiedsrichter Alexander Nehls (vom SC Eilbek) als Schwalbe wertete und „Gelb“ zückte (50.). Als Leon Neumann nach Utckes Pass halbrechts freie Bahn hatte, verhinderte Björn Schramm mit einer starken Fußabwehr das 0:2 (61.). Auf der Gegenseite wäre SVR-Akteur Jan Schrage nach einer Tornescher Linksflanke beinahe ein Eigentor unterlaufen, doch Hartmann fing den Ball mit einer artistischen Flugeinlage (70.). Aus einem Einwurf der Tornescher fast an der gegnerischen Grundlinie wurde ein langer Befreiungsschlag der Gäste: Moritz passte zurück zu Björn Schramm, der wieder zu Moritz spielte. Dessen Versuch, den Ball zu Fabian Knottnerus zu befördern, misslang: Hendrik Rühmann spritzte dazwischen, schloss seinen Alleingang von halblinks aus mit dem 0:2 ab und erzielte damit so, wie am 4. Oktober 2015, als Rugenbergen in der Vierten Runde des Oddset-Pokals mit 4:2 beim damaligen West-Bezirksligisten Union Tornesch gewann, „sein“ Tor im „Torneum“ (76.).

Die Heim-Elf kam zügig zum Anschlusstreffer, als Lennart Dora einen Eckstoß, den Knottnerus von links hoch hereingeschlagen hatte, einköpfte (80.). „Danach haben wir es aber nicht mehr geschafft, uns eine Abschlusschance zu erspielen“, gab Reibe zu. Stattdessen häuften sich in der Schlussphase die Eckstöße und die Kontergelegenheiten für die Bönningstedter. Utcke (86.), Hoppe (88.), Zarei (91.) und Sven Worthmann (94.) verpassten es, auf 1:3 zu erhöhen; zudem strich ein Klärungsversuch von Moritz knapp über die Latte des eigenen Gehäuses (92.). Als auf der Gegenseite ein finaler Einwurf von Knottnerus viel zu kurz kam und vom eingewechselten SVR-Akteur Dennis von Bastian aus der Gefahrenzone geschlagen wurde, war dies sinnbildlich für die schlechten Offensivbemühungen der Tornescher – und Nehls pfiff die Partie ab. Jan-Niclas Galke, der in der Tornescher Nachbarstadt Uetersen lebt und seit dem Sommer für die Bönningstedter kickt, gab nach seinem „Fast-Heimsieg“ zu Protokoll: „Das war ein immens wichtiger Erfolg für uns. Durch unsere extrem kompakte und konsequente Spielweise sowie gezielte Umschaltaktionen konnten wir die Partie für uns entscheiden.“

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